Sehr geehrter Herr Herberg, ich lade sie zu einer Informationsveranstaltung des Unternehmens Sykes Enterprises Support Service B.V. & Co KG ein...
Diese Einladung, vom Jobcenter Mitte, hatte ich letzte Woche in meinem Briefkasten und heute, am 07.06.11, fand diese Informationsveranstaltung statt.
Dies war meine erste “Maßnahme” vom Jobcenter die ich jemals vermittelt bekommen habe. Im Sommer 2008, als ich nach meiner Bundeswehrzeit ebenfalls einige Monate “Pause” hatte, war die Ansage relativ klar: “Sie bewerben sich für einen Studienplatz, teilen uns die Zu- oder Absage mit und dafür lassen wir sie bis dahin in Ruhe”. Dazu muss ich sagen, dass ich damals im Jobcenter Kyritz in Brandenburg war. Die Vermittlungschance für mich in eine Arbeit standen quasi bei 0.
Jetzt bin ich aber in Berlin! Und in Berlin gibt es Call-Center und diese suchen dringend neue Leute. Auch mich?
Mit 50 anderen Personen saß ich dicht an dicht in einem Raum. Am vorderen Ende 2 Mitarbeiter von Sykes sowie ein Mitarbeiter des Jobcenters Mitte. Es war unangenehm war und die Luft war stickig. Der Vortrag begann mit der Geschichte des Unternehmens und der Präsentation aller Premium-Partner sowie welche Voraussetzungen man für den Job mitbringen müsse.
Bis dahin eigentlich eine ruhige Atmosphäre, es wirkte jedoch ein wenig angespannt. Für mich war es ja wie gesagt das erste Mal. Als der Vortrag dann aber zum Punkt der Bezahlung kam explodierte der Raum förmlich. 1200€ Brutto plus 50€ Fahrkostenzuschuss. Wüste Beschimpfungen in Richtung Vortragenden gingen los:
- “Hungerlohn!”
- “Davon kann man ja nicht leben!”
- “Das ist doch wohl Netto oder?”
- “Für das Geld gehe ich nicht arbeiten!”
- “Und tschüss!”
An der Stelle bemerkte ich dann auch eine Liste die durch den Raum ging. Es handelte sich um eine Anwesenheitsliste. Schwuppdiwupp nachgeschaut, auch mein Name stand darauf und viele andere hatten auch schon unterschrieben. Wie sich herausstellte, waren ausnahmslos alle Teilnehmer vom Jobcenter hierher bestellt worden. Warum wohl?
Ganz einfach! Sykes stellt Mitarbeiter erst nach einer vierwöchigen Schulung sowie einem vierwöchigen Praktikum mit einem Einjahres Vertrag ein. Wie geht denn das? Keine Anstellung aber quasi schon für das Unternehmen ausgebildet werden und in einem Praktikum arbeiten? Tja, da hilft der Mann vom Jobcenter weiter: “Das wird alles über Bildungsgutscheine finanziert und während dieser Zeit bekommen sie ganz normal weiterhin Arbeitslosengeld”. Raffiniert!
Immer wieder wurde betont, dass man Mitarbeiter für einen längeren Zeitraum sucht, denn das Anlernen wäre ja so anspruchsvoll und zeitintensiv. Da ich ja ab Oktober definitiv wieder studieren werde, kommt eine Anstellung für mich dort also gar nicht in Frage. Nach der Vorstellung habe ich dann auch den Mitarbeiter vom Jobcenter angesprochen wie es denn mit mir hier weitergehen soll. Seine Aussage: “Sie wollen ab Oktober wieder studieren? Ja dann machen sie sich einen schönen Sommer!”
Alles klar, dass werde ich machen
!